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Titel
Sie
Der Text
Sie

Sie war allein
wenn man es so bezeichnen mag
sie zog sich aus und an, an jedem neuen Tag
ihr Dasein glich, wie Reis sich gleicht
von selber Sorte
ein Tag ein Korn
und aus dem Tag nicht eine Pforte
kein Öffnen hin zu neuen Wegen
das plagte sie, auch wenn sie dazu schwieg.

Einmal, in einer Zeitschrift war´s
erschien ein Bild von einer Frau
das sie ganz tief in sich als Wärme spürte
der Fotograf traf nur ein Bein
das ihn anscheinend interessierte
das andere lag irgendwo am Rand
was sie erotisch fand.

Sie ließ das Bild gelehnt am Stuhl
und setzte sich verkehrt herum davor
dass sie sich beide sahen, wenn sie sehen könnten
das Bild, es sprach ihr leis ins Ohr
wie wäre es, wenn wir uns jetzt verwöhnten?

Und plötzlich, es war nicht ihre Hand
die aus ihm kam und nach ihr griff
die vorsichtig und prüfend über ihre Schenkel strich
und plötzlich schwamm sie fort...

Es war ein Gleiten
eines in fernen Wassern
an ihrem nackten Körper leckte Schaum
da war das Tor in scheinbar unerreichbar Weiten
den unterdrückten Schrei, man hört´ ihn kaum...

Als sie erwachte lag das Bild wie vorher im Journal
es hatte sie gestillt
als wäre es "Es war einmal"....
Typ
Gedicht
Autor
Burkhard Jysch