Text 207/628

Titel
Die Gardine Schlussteil
Der Text
Als der Kegel der Scheinwerfer den schmalen Weg zum Haus beleuchtete, waren die beiden Einbrecher nicht die einzigen in der Gegend. Was sie nicht wissen konnten, war die Anwesenheit eines Jagdpächters, der aufgrund einiger Beschwerden von Bauern nach Wildschweinen Ausschau hielt. Er war mit seinem Jagdhund an der Seite am Waldrand unterwegs und sah kurz, dass sich ein Auto dem Haus näherte, wobei der Fahrer schon vor Erreichen seines Zieles die Scheinwerfer ausstellte.

Neugierig geworden nahm er den Weg zum Haus hin, hielt sich aber zwischen den Tannen. Er lauschte in die Nacht, konnte aber keinen Laut hören, noch das Licht sehen, das man allgemein erwarten konnte, wenn jemand das Haus betreten wollte. Jetzt kam der Schatten des Fahrzeugs in sein Blickfeld, das durch sein Nachtglas deutlich zu erkennen war. Es hielt in rückwärtiger Fahrtrichtung geschätzte hundert Meter vor dem Anwesen....Als jetzt Licht durch das obere Fenster drang, nahm er sein Jagdgewehr von der Schulter. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Szene gefiel ihm nicht, er fühlte eine Spannung in sich aufkommen, als hätte er Sichtkontakt zu einem Stück Wild aufgenommen.

Während sich im Haus die Lage gefährlich zuspitzte, das Telefonat zwischen dem Ehemann und dem Einbrecher die Lage des Tresors betraf und dessen Code, währenddessen notierte sich der Pächter das Nummernschild des Wagens und überdachte kurz was zu tun sei, wenn es das war, was er vermutete. Er entschied sich für Abwarten.....

Die Frau erlebte mittlerweile jene schrecklichen Minuten, von denen sie sonst nur im Fernsehen etwas mitbekam.

Als die beiden Männer das Haus kurze Zeit nur später das Haus wieder verließen, bewegte sich im Schlafzimmer die Gardine zum zweiten Mal in dieser Nacht. Es war der Luftzug, der sie von unten nach oben in Bewegung versetzte, was keinem der Beteiligten auffallen konnte.

Epilog:

Die späteren Ermittlungen ergaben: Das Nummernschild des Wagens war einen Tag zuvor gestohlen, ebenso das Fahrzeug selbst. Der Tresor enthielt zur Enttäuschung der Diebe nur Banales, was sie zum Aufgeben bewegte. Die vom Ehemann und fast zeitgleich vom Jagdpächter alarmierte Polizei traf viel zu spät am Tatort ein, während sich die Einbrecher zum zweiten Ziel dieser Nacht aufmachten:

Ein Mehrfamilienhaus, das an der rückwärtigen Seite einen schönen Garten hatte, der von einer hohen, dichten Hecke umgeben war, durch das nicht einmal das Licht einer Taschenlampe dringen konnte.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja