Text 211/628

Titel
Die Garküche am Strand
Der Text
Es war zu den Zeiten, als die Wellen noch an den weißen Strand rollten, als einfache Hütten nicht einen Stern als Bewertung hatten, und doch mehr als 5 verdient hätten nach Maßstäben, die heute nur noch schwer zu finden sind...Es war an einem der vielen Abende, als die Sonne ging und der Hunger trieb. Den Tag versimmert, den Sonnenuntergang fast verschlafen, fragten wir herum, wo es etwas zu Essen geben könnte, das außerhalb unserer Garküche gleich bei Palme No 4 bereit gemacht würde. Da müsst ihr durchs Wasser, immer den Strand lang bei Ebbe und sehen, dass ihr auch bei Niedrigwasser wieder zurück kommt. Es gibt eine Familie mit Kindern, die hat am Steg eine kleine Küche aufgebaut für Reisende, sie ist erst seit einem Monat dort. Es gibt Fisch, sagt man, guten Fisch! Wir wollten Fisch, guten Fisch!

Wir schlurften durch das schmusewarme Wasser barfuß, und wichen den paar, mit Korallen besetzten Felsen aus, die dunkel aus dem schneeweißen Sand ragten. Ab und zu nahm ich einen tiefen Zug durch die Nase, der die Garküche verraten könnte. Der Wind aber stand schlecht. Nach einer halben Stunde Wegs kam ein Steg, an dem Boote festmachten. Flache Auslegerboote mit einem Fang?

Umständlich kletterten wir auf die Palmbrücke und wackelten uns zu einer Stroh bedeckten Hütte, aus der dünner Rauch zog. Auf dem Weg dorthin erreichten uns schon sehr bekannte Laute von Touristen skandinavischer Herkunft, und ließen uns überlegen, ob wir gleich wieder gehen sollten. Hatten uns ein Familienessen unter Einheimischen vorgestellt, das sie mit uns teilen würden... Durch eine Bastmatte hindurch, auf einer grob geschnitzten Bank platznehmend, ordneten wir erst mal das, was wir sahen. Den alten Mann mit den grob geschnitzten Händen, die Frau mit dem gütigen Blick und ein, zwei Kinderaugenpaare, die dunkel hinter dem Tresen hervor peilten.

In der Ecke vier Skandinavier bereits mit ihrer Mahlzeit beschäftigt. Laut, voller Lebensfreude und natürlich unverständlich, was die Sprache anlangte. Einer von ihnen nahm die Kamera mit, als er die winzige "Küche" betrat, um Aufnahmen zu machen. Ich sah an ihm vorbei, dass sie mit Kokosnussschalen heizten. Zwei Flammen, und empfand das Eindringen des Gastes etwas respektlos.

To drink? Yes, and to eat, sagte ich und zeigte auf den Nachbartisch, von dem es so herrlich duftete. Wir bekamen bald unser Getränk und einen Fisch, dessen irrsinnig blaugrüne Farbe noch im Wok gegart alles das erhalten hatte, was unter Wasser einst lebte. Dazu gab es eine grüne Sauce, deren Rezept ich gern gehabt hätte, und das zu den schmackhaftesten Gaumenfreuden jemals gehören würde. Etwas scharfen Reis und mehr Lächeln dazu von der Köchin...Von verdeckten Kinderaugen, die jede Bewegung der Fremden verfolgten...

Es mag wohl sein, dass der Steg nach dem Hochgenuss auf dem Rückweg etwas wackliger war, dass der Tanduai als Palmschnaps wohl eine gewisse Rolle dabei gespielt haben könnte. Der Fisch mit dem unbekannten Namen jedenfalls war es nicht, und schon gar nicht die grüne Sauce, aus der ich Seetang heraus schmeckte. Salzig, wild, ursprünglich und ganz sicher unerreichbar.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch