Text 178/628

Titel
Der Rückkehrer
Der Text
Der Sommer kommt noch einmal. Mit über 30 Grad lässt er sich noch einmal blicken, versprüht seinen heißen Atem an die Hauswände der Städte, dringt vor bis an die Ufer des Rheins, und bleibt bis tief in die Nacht wach. Doch wer genauer hin schnuppert, dem Wind in den Pappeln am Altarm des Rheins lauscht, das langsam Verblühende wahrnimmt, dem ist bewusst, dass eine andere Zeit anbricht. An der Straße steht ein einfacher Pappkarton mit Äpfeln in Plastikbeuteln, die ein Bauer vors Haus gestellt hat, daneben eine offene Spendenbüchse. In den Streuobstwiesen liegen sie herum unter den trächtigen Bäumen, während die Kühe um die Mittagszeit ein waches Schläfchen halten beim Kauen. Die allgegenwärtige Ruhe ist ansteckend.

Unser Radweg führt uns etwas abseits der Teerstraße in eine noch nicht befahrene Gegend auf die Bislicher Insel. Ein Naturgebiet und Schutz für zahlreiche Vögel. Darunter Fischadler, Störche, Schwäne und jede Menge Gänse aus aller Herren Länder. Von drei Beobachtungshäuschen erhält man den Blick auf eine Anderswelt aus Schilfgürtel, weiten Wasserflächen und Bäumen, die vor etlichen Jahren hier aufwuchsen, starben, und einfach sich selbst überlassen wurden. Dieser Eindruck der Zurückhaltung menschlichen Eingriffs ist es, der fasziniert. Leben und sterben lassen, damit anderes wieder lebt ist hier sichtbar.

Und gerade deshalb passt der Sommer hier her, der noch einmal zurück kommt, nach dem Rechten schaut und daran erinnert, welche Kraft er entfaltet hat mit seiner Wärme und Laune, dabei aber nicht vergisst, dass seine Tage gezählt sind hier in der Rheinauen Beschaulichkeit stiller Nachmittagsstunden.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein