Text 191/628

Titel
Der Zaubertrunk
Der Text
Man warte auf eine dunkle Nacht. Eine dieser, in der sich nicht einmal eine Eule heraus traut. Man gebe etwas Mistelzweig in einen Kupferkessel, den man vorher mit einem Schaffell eingefettet, an einem Dreibein aufgehängt, über einer Feuerstelle anbringt. Danach schütte man etwas heißes Wasser in den Bottich, werfe getrockneten Huflattich zwei Handvoll, Bucheckern eine Handvoll, das Bein eines überfahrenen Frosches, (getrocknet auf dem Asphalt und mehrfach gebügelt) hinzu. Das Feuer entfachen. Zum Brennen zwei alte Autoreifen, in die etwas Benzin geschüttet wird, um die nötige Hitze zu erreichen.

Umrühren! Nun Wermut. Nicht zögerlich, sondern großzügig darein geben, und jetzt sofort ohne Zögern den Absinth beim Aufgange des Neumondes hinein träufeln, bis die 4 Flaschen leer sind.

Die Farbe sollte jetzt dieses teuflische Grün haben, das Froschbein zur ursprünglichen Größe gewachsen sein. Nicht probieren! Wer hat, gebe Zucker nach, bis er mit der Flüssigkeit vermählt ist, und nehme den ersten vorsichtigen Schluck aus einer Holzkelle. Ab nun wird nur noch probiert, bis der Kessel leer ist. Den Blick zum Nachthimmel wenden, an dem jetzt der Vollmond stehen sollte, die Eule auf Jagd geht, und der Frosch zum Prinzen wird, den man auf ein Glas ins Haus bittet. Wer den Morgen noch erlebt, empfehle das Rezept weiter. Es ist viel Durst nach Trank und Zauber auf der Welt.
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch