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Titel
Der nächtliche Besucher
Der Text
Wie die meisten Schlafzimmer, lag auch unseres direkt oben unterm Dach. Bisher durften wir in ihm ruhige Nächte verbringen, bis es eines nachts unruhig wurde. Spät abends hob ein Tumult an, der an einen Umzug erinnerte. Irgendwer war am Werk, um sich unsere Möbel anzuschauen, sie zu begutachten, und bei Nichtgefallen gegen den First zu werfen. Nach Öffnen der Dachluke war alles wieder still, bis ich wieder begann einzuschlafen. Nicht lange, und es ging weiter. Wie sich herausstellte war ein Marderpärchen eingezogen, und baute ein Nest für die lieben Jungen. Gefunden hatte ich nichts, stellte aber eine Falle mit einem rohen Ei auf, Marders erste Wahl. Ich nahm es nach Wochenfrist wieder weg, war natürlich zu offensichtlich. Marders lernen früh, dass Eier nie von Hühnern unter einem gespannten Drahtbügel gelegt werden.

Im weiteren Verlauf des Jahres mit morgendlichen Störungen, wenn Vater Marder oder Mutter Marderin von der Jagd heimkehrten schreckte sie auch kein Bewegungsmelder, den ich stolz in
Stellung gebracht hatte. Sie waren ja nachts wohl unterwegs und schliefen sich tags über im Gerümpel aus. Mit dem Besenstiel gegen die Decke, alles ergab nicht den gewünschten Effekt. Schließlich fand ich den Nebeneingang unterm First in der Ecke des Daches. Hier waren Spuren von Marderhaaren. Ich schmückte den Eingang mit dornigen Rosenzweigen, woraufhin die Familie wohl die anderen Dachseiten ausmachte.

Die Lösung schließlich ergab sich in einem Gespräch mit der Nachbarschaft, wo es hieß "Euer Marder ist jetzt bei uns." Im Internet war die Empfehlung, die zur Lösung führte; Stellen Sie ein Transistorradio auf mit Zeitschaltuhr, und lassen es nur tagsüber, wenn er schläft, leise mit mehrheitlich textbezogenen Gesprächsrunden laufen. Kann auch Werbung dabei sein, (oder Lieder von Andrea Berg).

Nachtrag: Eines Tages sah ich den "Täter" am Boden meiner leeren riesigen Regentonne unter ein paar Blättern versteckt. Es ragte nur der Schwanz heraus, mit dem er schnell das Weite suchte, als ich ihm die Flucht erlaubte....zu den Nachbarn...
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein