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Titel
Der Messermacher
Der Text
In der kleinen Broschüre über Sehenswürdigkeiten an der Hisbiskuscoast Südafrikas waren wir unterwegs zu einem Messermacher. Abgelegen von der Hauptroute durch einige Kilometer Busch erreichten wir ihn. Der Leihwagen rollte vor einem hohen Zaun aus, was der Normalfall für jede Behausung in diesem Land war und ist. Es empfing uns Hundegebell aus tiefen Kehlen großer Exemplare, die unsichtbar hinter dichter Hecke herum liefen. Neben einer Doppeltür saß der Klingelknopf, den ich drückte. Nach kurzer Zeit erschien ein schlanker, sehniger Mann, der mit ein paar Worten die Hunde beruhigte, die sich jetzt zeigten und die Größe kleine Kälber hatten. "Come in, we´re open"! Er führte uns, die etwas ängstlich zögerten in sein Haus, machte uns mit seiner Frau kurz bekannt, und zeigte den Weg in seine Werkstatt. Ein unübersichtlicher Raum zahlloser Werkzeuge, Materialien. Im Raum hing ein Duft von Holz und Metall, von Schweißnähten und Härtebecken, aus denen es verdächtig nach Laugen schimmerte. Prachtstück war der Schmiedeofen, neben dem ein Haufen Kohle lagerte, und von dem immer noch etwas Hitze ausging.

Hier wurde gearbeitet. Seine Messer wurden auf Bestellung in die Welt geschickt, und waren ausnahmslos Einzelstücke dieses Ausnahmekünstlers. Er verstand es, nicht nur passende Holzgriffe anzufertigen, sondern auch jene Schliffe in in die Klinge zu zaubern, die sie so besonders machten. Messer konnten begeistern und töten, sie konnten nützlich wie tödlich sein, je nachdem wer sie in die Hände bekam. Deshalb erklärte er auch uns die sichtbaren Sicherheitseinrichtungen um sein Areal. Eine davon hörten wir durch die Hecke... Nachdem wir mit Ah und Oh interessiert das meiste gesehen hatten, zeigte er uns sein Meisterstück. Es war ein Skorpion, dessen Körper aus dem geschmiedeten Griff bestand. Er war detailgenau dem eines wahren Skorpions nachgebaut und lief in eine breite Klinge aus. Die Länge schätze ich mal auf 30cm.Von der Spitze bis zum Griffende ca. 50cm. Das Stück sei unverkäuflich und habe ein Jahr Arbeit gekostet, bis er fast zufrieden mit seinem Werk war.

Nein, gekauft haben wir nichts, denn ein einziges Messer hätte unser Urlaubsbudget überstiegen. Wir verabschiedeten uns freundlich, und hörten bei der Abfahrt nur noch das tiefe Knurren seiner Alarmanlage, als sich die Doppeltür schloss.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein