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Titel
Der Regenbogen
Der Text
Als Kinder suchten wir immer nach dem Schatz, der sich dort befinden sollte, wo der Regenbogen die Erde berührte. Wie der aussah überließ man unserer Fantasie. Vielleicht dachten sie selbst ja an Gold und Geld, an wertvolle Dinge, die auch Piraten mit sich fort schleppten, hatten sie ein Schiff geplündert. Wie aber kam man an die Stelle der Berührung? Mit den kurzen Beinchen dauerte es wohl eine Ewigkeit, und was noch mehr besorgte war, dass er schnell wieder verschwand, wenn wir uns bewegten....Er war wunderschön gebogen, und hatte die Farben aus dem Tuschkasten, die übereinander gingen wie bei uns, wenn wir den nassen Pinsel etwas unvorsichtig in verschiedene Töpfchen tauchten. Der Bogen aber war und blieb sauber, bis er so schnell verschwand wie er gekommen war.

Ein Schatz waren die Glaskugeln von Willy Grünhagen, die er in einer Blechkiste hin und her rollen ließ, bevor er sie für uns öffnete. Von einigen wussten wir, dass er sie sich nicht ehrlich erworben hatte. Willy Grünhagen war ein Schummler. Dennoch handelten wir mit ihm, und wollten ihm so auf die Schliche kommen. Wenn er zwei Eichelhäher Federn besaß, tauschte er sie gegen etwas viel Wertvolleres. Am Ende des Tages entfernte er sich mit einem Grinsen, während wir noch nicht einmal genau wussten weshalb. Er wurde später Versicherungsvertreter mit eigener Agentur. Ein alter Schulfreund erzählte mir, dass er sein Lächeln noch immer behalten habe..... Nach Vertragsabschluss jedenfalls.

Heute, an Tagen die regenbogentauglich daherkommen, da die Sonne auf einen dunklen Himmel trifft, und ihn durch den Bogen zur Freundlichkeit ermahnt, heute brauche ich mich nicht mehr auf die Suche zu begeben, denn ich habe meinen Schatz längst gefunden. Er geht regelmäßig aus dem Haus und kommt von der Arbeit heim. Und das bei jedem Wetter.
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja