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Titel
Der Grüne und der Schwarze
Der Text
Es gab ein Zimmer im großen Haus der kleinen Oma, das war mein Lieblingszimmer. Was es unterschied von den anderen Zimmern waren ein paar Dinge, die es für mich einzigartig machten. Es lag rechts des langen Flures kurz vor der Treppe nach oben. Wenn man es betrat, besonders im Winter, wurde man umgeben von jener wohltuenden Wärme, die nur ein Kachelofen von sich geben konnte. Gleich links stand er. Wuchtig und mächtig bis fast zur Zimmermitte. In dunkelgrünem Kleid, einem Feuerloch, unter dem ein Aschenkasten auffangbereit seine Dienste anbot, einer Sitzbank mit zwei bestickten Kissen und etwas höher, wo meine Nase soeben noch heran reichte, war ein Fach.

Der Ofen war längst beheizt mit Buchenscheiten wenn es Abend wurde. Die Raumluft erfüllt von einem schrumpeligen Boscop Apfel, der ab und an vor sich hin schnaufte und seinen säuerlichen Unmut über die Misshandlung deutlich machte. Um sich einen Platz am Schatz zu sichern, gehörte es dazu den Schwarzen, (Mohrchen), höflich aber bestimmt zur Seite zu schieben. Der Kater beanspruchte fast die ganze Sitzbank und entwickelte eine unglaubliche Körperlänge dabei. Seine Ruhe müsste man haben, dachte ich oft. Er lag fast den ganzen Tag dort und hob nicht einmal die Braue, wenn ich herein stürmte.

Zum Wohlbefinden des Ganzen gehörte es, wenn man ihn kraulte, sein Schnurren wahrzunehmen, das einem damaligen Radio entsprach, kurz nach dem Einschalten. Ich wartete auf den Moment bis der Apfel geschlachtet wurde. In passende Stücke geschnitten bekam jeder Anwesende davon. Und obwohl er abgrundsauer war, das versengte Hautstück schmeckte am besten. Meist schlich sich der Opa für einige Minuten aus dem warmen Zimmer, um seinem verbotenen Tun nachzugehen. Er rauchte nämlich heimlich eine vor der Tür! Obwohl es ihm klar vom Arzt verboten wurde, konnte die Oma die Überwachung nicht lückenlos durchführen.

Er verschwand dann wieder für eine Zeit hinter seiner Zeitung und hustete beim Umblättern. Das alles störte Mohrle nicht im geringsten, und manchmal wollte ich in seinen Traum hinein sehen, mich auf die Höhe seiner Abenteuer begeben, um einmal eine ganze Nacht mit ihm hindurch zu schleichen. Dann, wenn alles schlief, bis auf die Mäuse....
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch