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Titel
Briefe in die Dunkelheit
Der Text
Ich schreibe Dir, obwohl ich nicht weiß, ob es Dich überhaupt gibt. Da draußen in der luftleeren Kälte unbeschreiblicher Weiten. Warum ich das tue? Ich weiß nicht einmal das. Du magst es vielleicht nicht verstehen, wenn jemand etwas schreibt an jemand, den es nie erreichen wird. Es mag eine Hoffnung darin liegen, etwas los zu werden, was ich sagen will. Ohne annehmen zu müssen, dass es verstanden wird, oder wie eine Entschuldigung klingt.

Du bist so weit entfernt. In Deiner Vita steht ein bewegtes Leben mit Rückschlägen und Hoffnungen, mit Glücksmomenten, deren Höhepunkt ich im Finden von uns hier bezeichnen möchte. Wir sind noch da, wenn ich diese Zeilen ins All sende, auf einem hellen Strahl voll Energie. Du wirst meine Sprache verstehen lernen, die ich in Worte, dann am Ende in zwei Bildern mitgebe. Ein Bild unserer Erde, wie sie einmal war, noch bevor wir kamen, und eines danach. Dieses entstammt rein meiner Fantasie. Das erste der Bilder ist farbig, das letzte dunkel. Wir haben es verlernt mit der Farbe umzugehen, von der am Ende nur noch Schwarz und Weiß übrig blieben. Alle anderen Farben wurden von diesen gefressen.

Sicher wirst Du herausfinden, dass dieser Planet mit seiner Blaufärbung, die Dir beim ersten Blick darauf so gefiel, und Dich auf uns neugierig machte, sicher wirst Du herausfinden, dass hier nichts mehr lebt, und es eine Menge Strahlung gibt, die alles ausgelöscht hat. Es wird Dich nicht zufrieden stellen es herausgefunden zu haben, weil Du Dir die Zähne ausbeißt nach dem Warum. Selbst heute im Jetzt könnte ich es Dir nicht sagen. Es ist zu kompliziert etwas zu erklären, was mit Selbstzerstörung zusammen hängt. Du wirst enttäuscht sein am Ende Deiner langen Reise, auf der Du Signalen nach Leben gefolgt bist und uns zerstört siehst.

Von diesen Himmelsgebilden wirst Du unzählige gesehen haben. Zu kalt, zu heiß, zu einsam ohne Licht oder Wasser. Hier hatten wir von allem und beachteten es nicht. Waren beschäftigt mit Schuldzuweisungen, wenn etwas Wichtiges an Leben plötzlich fehlte, oder langsam verschwand. Wir liefen erst langsam, dann immer schneller rückwärts ins Verderben, und logen uns das Gegenteil vor, bis wir selbst glaubten noch einmal davon gekommen zu sein. Dafür aber waren wir zu stark. Übermächtig erhoben sich Politik und Wissenschaft über das Leben, veränderten es zu seinem scheinbar besten, und rissen hinter sich alles ein, was eine Zukunft hätte sein können.

Eine Zukunft, in der wir vielleicht sogar Dich hätten begrüßen können. Von Dir aus neutralem Raum kommend, die Zeit zu besiegen in der Lage, und Entfernungen zu überwinden.

Ich möchte jetzt mit den Worten schließen, dass Letzteres der einzige Weg gewesen wäre, von dem Du uns hättest erzählen können. Ein Weg aus dem Nichts ins lebendige Blau, vor einem schwarzen Hintergrund der Zeit.

2020 nach unserer Zeitrechnung
Typ
Weisheit
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein