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Titel
Boracay ein paar Jahre später
Der Text
Die Straße ist geteert. Der unglaubliche Weg von dem Städtchen zum Ableger geebnet. Es ist derselbe Weg und doch nicht derselbe. Touristen sind in der Überzahl, Einheimische klopfen aufs Dach des Blechkastens, wenn sie aussteigen wollen zwischen Palmen, Hühnern und Schweinen, die mit einem Strick und einem Loch im Ohr an ihren Stall erinnert werden. Wir haben eine Phase erwischt, in der der Vollmond auf den Strand trifft. Eine Phase, in der der Sand so hell sein sollte, wie beschrieben.

Damals war es schon so, dass das Sternenlicht den Sand und das Meer in Spiegelungen "aufleuchten" ließ. Es macht alles hell. Tags ist der Strand nicht zu betreten ohne Sonnenbrille. Er ist mehlig fein, riecht nach Salz und Tang, und ist ohne Schuhe ein Wagnis. Wir springen dann manchmal barfuß von Schatten zu Schatten, bevor wir uns wieder ein paar Sekunden auf die Herdplatte wagen. Sie haben mehrere kleine Restaurants neu eröffnet. Bescheiden noch, und meist Familienbetriebe, in denen jeder bis ins hohe Alter mithilft.

Die Tische stehen nah am Beach unter Palmen, die abendliche Auswahl an den Ständen ist atemberaubend voller bunter Merrestiere, die auf Wunsch meist gegrillt werden. Es gibt Cola, Eis und jenen einheimischen Rum Anejo, der sanft betäubt, ohne Folgen am anderen Tag. Vielleicht war es einer dieser magischen Momente, die mich überhaupt darüber schreiben lassen.

An einem Abend schließlich bei Vollmond, setze ich mich auf das einfache Stück Holz, das, von einem meterlangen Tampen gehalten, von einer überhängenden Palme gehalten wird. Durch den langen Swing ist man teils über dem Wasser, teils über dem Sand. Aus den überdimensional großen Boxen die Musik zur passenden Zeit. Pink Floyds "Dark side of the moon".

Etwas später hole ich mir die Bangkok Post, um sie "auszuprobieren". Abseits der Lichter kann ich mühelos lesen. Damals noch ohne Brille, aber schon voller Ahnung, dass dieser Ort sich gewaltig zum Nachteil verändern würde. Und das tat er leider auch. Boracay, ein Geheimtipp in den Journalen, eine professionelle Gastronomie und andere Preise standen an. Das Übliche, wenn man ein Paradies erreichbar macht und es ausschlachtet bis zur Unkenntlichkeit. Ich schrieb vor etwa 5 Jahren darüber in meinem Buch "Der zum Bambus reist" etwas mehr darüber.

Heute würde ich nicht mehr dorthin fahren. Man würde die Zeitung noch lesen können, hätte aber Schwierigkeiten, einen dunklen Platz zu finden, der nur noch Mondlicht sein lässt.

Jolly Sailor gab es nicht mehr. Vielleicht wird er ja an einem bestimmten Tag damit heraus gefahren sein wie mein Arbeitskollege später. Er gilt auf dem Weg zur Insel seither als vermisst. Es soll ein Sturm aufgekommen sein...
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch