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Titel
Boracay
Der Text
Manchmal sind es nur kleine Bemerkungen die dazu führen lange Wege zurück zu legen, um zu sehen und zu spüren, ob sie stimmen. In diesem Fall war es die einer Kollegin. Aus dem Urlaub zurück berichtete sie euphorisch vom Strand, und dass sie bei Vollmond dort Zeitung lesen konnte. Und dass sogar die Zeit still stand. Wir buchten und flogen eben dorthin. Es waren die frühen 80er Jahre.

Die Rumpelfahrt war lang und sehr stressig, bis wir von der Hauptinsel am späten Nachmittag vom Hügel aus eine Insel sahen, die gar nicht weit ihren Rücken in die Sonne drehte, als ob sie sie noch weiter genießen wollte. War sie das? War das die Insel zu der wir unterwegs waren? Auf abenteuerlich ausgewaschenen Straßenrumpelwegen ging es bergab. Durch ein kleines Dorf bis zum Ableger, an dem wenige kleinere Ausleger Boote lagen, die auch uns staubbedeckte Touristen hinüber fuhren.

Eines davon nahm uns und unser Gepäck auf. Wohin wir wollten brauchte niemand zu erwähnen. Alle wollten zu ihr. In den Augen der wenigen Einheimischen, die mit uns hinüber wollten, spiegelte sich eine gewisse Vorfreude auf etwas. Vielleicht ein Wiedersehen? Und noch etwas: Gelassenheit und Glück.

Später würde ich gefragt werden, ob sich Glück spiegeln kann. Später würde ich sagen, dass ich Zeuge davon wurde.

Erst einmal hatten wir Pech. In der bereits schnell sinkenden Sonne fiel der Motor aus. Die starke Strömung bestimmte jetzt unseren Weg, von dem wir deutlich abkamen. Der schlanke Philippino beugte sich hinunter zum Motor und sog kräftig an seiner Zigarette. Es war, um etwas Licht zu bekommen im Rumpf....Unser Vertrauen in seine Fähigkeiten sollte nach ein paar Minuten erfüllt werden. Der Motor sprang wieder unwillig an und brachte uns aus der gefährlichen Strömung heraus.

Wir fragten ihn "have you been scared because of us and the motor trouble? Und er antwortete: "I´ve observed you and saw that you`ve trusted me."

Sowie wir die Inselspitze umrundet hatten, beruhigte sich das blaugrüne Wasser, und der Strand wurde sichtbar. Er zog sich sichelförmig von Palmen gesäumt dahin. An einigen Stellen flackerten Feuer. Die Luft war auffällig weich, und das Ganze hatte einen Frieden, den ich mir auf Postkarten bisher nur erstreichelt hatte. Aus einer Laune heraus stiegen wir beim zweiten Halt aus und watschelten mit Gepäck durch lauwarmes Wasser. Die Sonne war jetzt in einem Orangerot im Westen verschwunden, die Einheimischen, die uns leise auf Unterkunftsmöglichkeiten hinwiesen waren ausnehmend freundlich und unaufdringlich.

Unter dem Dach einer Familie stellten wir unser Gepäck ab, wuschen uns den Staub von der Haut und gingen in eine Richtung, aus der tatsächlich Klänge kamen. Musik! Das Zentrum des Inselstrandes bestand aus dem Anwesen eines Engländers, der sich Jolly Sailor nannte. Er war die Polizei, die Bank, der Schuldirektor und hatte ein Boot gleichen Namens, das vertäut vor seinem Palmstroh Restaurant festgemacht lag.

Selbst wenn niemand seine Herkunft vorher verraten hätte, wäre ich auf einen Engländer gekommen, der sich auf einem Barhocker hinter seinem Tresen auf jeden Gast freute, der neu hier auftauchte und mit schlauen blauen Augen, sowie wettergegerbter Haut per Handschlag jeden Ankömmling begrüßte. Ein Handschlag, wie man ein Schiff festzurren würde.....
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch