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Titel
Bio Bio Wasser marsch!
Der Text
Langsam füllte sich das Rund mit Regenwasser. Es wurde besiedelt. Vom Fenster aus konnten wir Vögel beim Baden zusehen. Sogar eine erste Ente! Ich schlich mich geduckt ans Glas, um sie nicht zu verscheuchen. Später, als ich feststellte, was eine Ente so interessiert unter Wasser, raste ich ums Haus, um sie zu vertreiben. Die meisten meiner teuer erkauften Unterwasserpflanzen wurden nach oben geschnäbelt oder gefressen, während die Alte unter den Tannen mit dem Nestbau begann....

Über dem Teich kreisten Verwandte der glücklichen Familie, setzten zur Landung an. Ein Landen und Starten. Der glasklare Teich wurde zur Grütze. Die gelegten Enteneier tauschte ich gegen gleichgroße Schmeichelsteine aus, der Bruterfolg blieb naturgemäß aus....Eines Morgens stand da etwas großes Graues völlig starr im Flachwasser am Rand, und verschmolz fast mit der grauen Fassade des Nachbarhauses. Der Reiher war höchst interessiert an den Goldfischen, die sich um seine Füße tummelten. Wieder raste ich um die Hausecke. Der Teich hielt mich tüchtig auf Trab.

Ich plante eine Holzbrücke, auf der ich bäuchlings die Füße ins Wasser baumeln lassen konnte, um das Unterwasserleben zu studieren. Die umfangreichen Konstruktionspläne sind in Aktenordnern noch immer abgelegt. Sie sollte der Golden Gate Bridge nachempfunden sein, nur ohne hohe Träger. Also eigentlich flacher. Der Umgebung geschuldet, musste ich vom Original Abstriche machen. Wir wohnten im Anflugsektor des Bremer Flughafens....

Bei der städtischen Ausschreibung für den Naturgarten meldete sich nach Wochen ein Team an, das ihn bewerten wollte. Tatsächlich durchstreiften wir alle den rustikalen Gegenentwurf zur Waschbeton Romantik in der Nachbarschaft, die jene merkwürdige Prozession der städtischen mit Klemmbrett aus sicherer Entfernung beobachtete. Während bei diesen der Hochdruckreiniger von Kärcher gegen Moos auf den Platten vorging, goss ich auf Sandsteine am Teich Reste von Joghurt und sauer gewordener Milch, um eben genau das wieder anzusiedeln. Dafür gab es 5 Punkte!

Aus dem hauseigenen Komposthaufen hörte man die Festmahlgeräusche tausender Würmer aus Oregon, von denen ich extra eine Schale voll gekauft hatte. Sie sollten größeren Fischen, (von Hecht an aufwärts), als Futter dienen. Doch bevor es dazu kam, war das Wasser weg. Im Teich war der Wasserspiegel abrupt gefallen. Das war, nachdem mein Vater mit der Sense am Rand das Schilf etwas kürzen wollte, und den immer üppiger werdenden Seerosen einen Grünschnitt zu verpassen. Dem Tipp der Wasserfachfrau eines Baumarktes zufolge, hätte ich das Leck dort zu suchen, wo der Wasserrand sich befand. Manchmal entbehren solche Schlauheiten nicht einer gewissen Genialität. Mit Fahrradflickzeug wurde der 4 cm lange Sensenstich verarztet, dem Vater der Aufenthalt am Teichrand mit Sense untersagt.

Der Ruf zahlreicher Frösche auf der Balz ließ unseren in der Nachbarschaft etwas lädiert zurück. Es war wohl eine Sorte Frosch, die sich die Partner aus dem 14 km entfernten Bremen herbei rief. Aber was ist das schon gegen Bio Bio? Die Rettung der Welt vor dem Artensterben beginnt vor der eigenen Tür, las ich mal. Also in unserem Fall vor dem Fenster bei den Tannen...
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja