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Titel
Vorwerk
Der Text
Eltern sind und bleiben Eltern. Lebenslänglich könnte man sagen. Zuerst bringen sie einem bei, dass ein Ofen an manchen Stellen heiß ist, auch was man als gut oder böse bezeichnet, Anstand und gute Sitten all inclusive. Dann wird man selbst Eltern, und versucht eigene Kinder auf die Schiene des Lebens zu setzen mit anfänglicher Weichenstellung, die sie dann bitteschön selbst übernehmen dürfen. Aus den Augenwinkeln hielt ich gewissermaßen immer noch Wache über ihr Tun und Lassen, wozu auch der Abschluss von Verträgen zählte. Ich sprach über aktuelle Beispiele, wo Anschaffungen gemacht wurden, die zwar nicht komplett sinnlos, doch aber komplett zu teuer waren.

Von der Firma Vorwerk, die sich auf langlebige Staubsauger und Zubehör konzentriert hat, der an nicht mehr so ganz langlebige Käufer verhökert wird, sah ich über die Jahre hinweg dieses charmante Grün auf Beutel und Sauger. Sah sie auf Flohmärkten oder Verkäufer an Türen klingeln, um sie in die Haushalte einzuschleusen.

Sie waren noch nicht lange weg, als ich inmitten des elterlichen Wohnzimmers das ganze Programm von Vorwerk ausgebreitet liegen sah. Sah die Stelle, an denen der Vertreter die Effizienz der Leistungskraft seines Zugpferdes verdeutlicht haben musste. An der Stelle war der ursprüngliche Farbton nach Jahren wieder zu sehen, während sich das Alte an allen anderen wie gewohnt im verstaubten Tiefschlaf befand.

"Das habt ihr doch wohl nicht gekauft???" "So günstige Monatsraten bekommst du heute nirgends, und haltbar ist das Material, das kann man ruhig mal fallen lassen!" Das mochte stimmen. Bei späteren Ausgrabungen wären es diese Teile, die überlebt haben würden. Ich überflog den Kaufvertrag, rechnete im Kopf die Haltbarkeit von Käufer und Gekauftem durch, und kam zu dem Schluss, dass alle Teile ein gutes Hochzeitsgeschenk für meine Urenkel sein würde, vorausgesetzt ich würde als Alleinerbe von 20 verschiedenen Saugdüsen, Ersatzkabeln und Beuteln eingesetzt.

Beim Betrieb des Monsters blähte er sich bei Getöse fürchterlich auf, sog den dreibeinigen Beistelltisch zu sich, und war gerade dabei die Einbrenner Vorhänge aus der Deckenhalterung einer gründlichen Pflege zuzuführen. Die meisten Seiten des Kaufvertrages, der auf dem Tisch lag, konnte ich zerknittert aus dem noch jungfräulichen Beutel wieder heraus ziehen.Vorwerk konnte Dokumente verschwinden lassen!

Meine Mutter fand immerhin Platz für alles in einem langen Badezimmerschrank. Dieser musste aber erst einmal entrümpelt werden, ehe sich der Saugmeister dort breit machen konnte. Ich beschloss die Abstände meiner Besuche in Zukunft kürzer zu gestalten, vielleicht käme ich dann ja gerade recht, wenn sie einen Bausparvertrag mit 25 jähriger Laufzeit unterschreiben wollten. Vielleicht?
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein