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Titel
Wartebereiche
Der Text
Diese von mir ungeliebten Bereiche sind zeitlich terminierte Räumlichkeiten, die mich irgendwie ausbremsen. Ich stelle mich hinten an, um nach vorn zu kommen, oder setze mich geduldig gelangweilt hin. An einem dieser Tage ziehe ich eine Nummer des Finanzamtes meiner Stadt. Dabei alle bisher gesammelten Werke, die ich brauche, um meine Steuerlast zu senken, zwei Flaschen Wasser, Kekse, und mein kleiner Sohn. Im weitläufigen Wartebereich sitzen einige Steuerpflichtige mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen, und schauen auf zwei Leuchtflächen, auf denen die aktuelle Zahl aufleuchtet. Der Nächste bitte!

Sohn ist Weltmeister in Kontaktaufnahme, zieht die Blicke auf sich, führt angeregte Unterhaltung mit Vater, und verkürzt die Wartezeit mit diversen Stunteinlagen. Auf den Beinen und im Kopf schnell, versuche ich ihn vom Umtopfen einer Grünpflanze fernzuhalten, erkläre ihm, dass nicht alle Taschen, die auf dem Boden stehen zu uns gehören, und bringe ihn vor der Drehtür in Sicherheit, die den Eingang markiert. Eine Leine wäre gut jetzt, eine kurze Leine... Die Stimmung schwankt zwischen Mitleid mit dem Vater, und hier und da die Bestätigung, dass eigene Kinder die aus dem Haus sind, die besten sind.

Vielleicht ist mein Krabbler ja der Grund, weshalb mich mein Sitznachbar vor lässt, dessen Socken durch Hochschieben der Hosenbeine genauer inspiziert werden sollten. Wir tauschen die Nummern. Ich freue mich. Er auch.
"Guten Morgen die Herren!"
Ich stelle uns vor, und lege meinen Aktendeckel mit den Papieren und ausgefülltem Formular vor ihm hin. Er huscht mit geübtem Blick über die zahlreichen Rubriken, während ich zur Tür eile, um den Ausbruchsversuch zu unterbinden. "Am besten du bleibst jetzt mal ganz nah beim Papa", wird mit zwei hellblauen Fragezeichen quittiert, während die Vorbereitungen zum Abstieg vom Schoß im vollen Gange sind. Nun muss es einen Moment gegeben haben, in dem der Prüfer eine Frage hatte, die ich etwas ausführlicher zu erklären versuchte. Jedenfalls war Sohn erfolgreich am Boden angekommen, war um den Schreibtisch herum und dabei, dort mal ordentlich aufzuräumen. Mit sicherem Griff hielt er, als ich ihn aus dem Unterschrank holte, einen Flachmann triumphierend mir entgegen...

Das verkürzte die Bearbeitungszeit meiner Erklärung ungemein. So schnell war ich noch nie hier raus. Im Herausgehen verließ ich einen hochroten Kopf mit einem sprachlosen Lächeln behördlicherseits und sprach in den Raum: Der Nächste bitte!
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein