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Titel
Zwischen Hauptgang und Nachtisch
Der Text
In Gedanken, so zwischen Hauptgang und Nachtisch, schritt ich hin zum Hafen, in dem sich die zitternden Lichter verschiedener Weihnachtsbäume spiegelten, je nach Wind, der von Süd kam, und versuchte sie aufs Meer zu treiben. Der Versuch ebenso untauglich wie das Vertreiben ungeliebter Gestalten, die eine weitere Nacht in der Nähe einer Wärmequelle verbracht hatten. Mehr Nähe ging nicht. Verschuldet oder nicht war nicht die Frage, es war der immer noch gut gekleidete junge Herr, der aus dem Schrank seiner explodierten Vergangenheit den fleckigen Sommermantel nicht den Temperaturen anpassen konnte. Wie konnte er hier auftauchen? Das Wetter war ein Fakt. Ich begann mit den heißen Kirschen auf Vanille Eis, und ließ eine davon zwischen den Zähnen nach Halt suchen, wobei meine Zunge ihr schon ihr Schicksal verriet. Aus dem Augenwinkel bewegten sich andere. In diesen Tagen war keiner und alle waren allein. Es half manchmal, etwas weg zu schlucken. Gedanken an das, was mal war an diesem Tag waren schlecht verdaulich. Im Magen waren sie schlecht aufgehoben. Ich ging hinter dem Mantelträger eine Weile her und geriet in die Hafenkneipe, aus der etwas verbrauchte Wärme sich mit den Klängen aus einer Wurlitzer mischten, und schräg zusammen passten. "Einmal FAKO" hörte ich ihn sagen. Fanta Korn. Es war Zeit an meinem Roten zu schlürfen, zur Feier des Tages mal über Zweifuffzich und zweistellig. Vielleicht sollte ich endlich mal der Unterhaltung lauschen, wobei mir auffiel, dass ich abwesend war über die Zeit der heißen Kirschen auf dem Eis, und eben mal nach draußen musste. Der Wind kam aus Süd, und irgendwo da im Dunkel musste der Hafen sein.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja