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Titel
Väterchen Frost
Der Text
Väterchen Frost

Fast lieber noch als hohen Schnee im Wald ist mir der Frost. Wenn er über Nacht seine Fantasie in die Taten umsetzt, denen ich ausgeliefert bin mit meinem Ah und Oh. Unsichtbare Spinnennetze werden zwischen den Zweigen plötzlich sichtbar, um jedes Blatt bildet sich ein Kranz aus feinem Reif. Die glatten, grünen Stämme der Buchen schimmern im Eispanzer, als brächte dieser Schutz etwas gegen das Erfrieren, und vielleicht tut er das ja? Voreilig schnuppernde Frühblüher senken ihre Häupter demütig, und schauen auf den gefrorenen Boden, woher sie gestern erst gekommen sind, als die Sonne ihn erwärmte, und das Signal des Erwachens gab.

Ich bemühe mich langsam zu gehen, um nichts zu versäumen in dieser Wunderwelt, aus der es knackt und raschelt und schweigt. Meine Zehen bewege ich ab und an, nur um zu spüren, ob sie noch da sind....Kleine weiße Wölkchen entspringen meinem Mund, im Kopf die Idee, beim nächsten Waldspaziergang eine noch wärme Mütze aufzusetzen, vielleicht noch dickere Socken? Auf dem graubraunen Schotter des Waldwegs hinterlasse ich kaum Spuren. Ganz anders der Liner, der hoch über mir seine weiße Kreidespur ins Veilchenbau schreibt, und seinem vielleicht warmen Ziel näher kommt.

Ganz unten aber, tief unter den mächtigen Wurzeln der hohen Bäume schlummert alles, was den langsamen Atem hat, und die schier unendliche Geduld, ihn bis zum Herzklopfen zu bewahren, wenn es raus geht in den Frühling, auf den alles wartet, wie auf die Ankunft eines lieben Gastes...
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja