Text 607/628

Titel
Wintersternenhimmel
Der Text
Ich ging hinaus und sah den Wintersternenhimmel. Er sprach mich an mit ein paar Worten, mit denen er sagte wie nah er mir war. Er zeigte mir ein paar Bilder. Die, die ich kannte. Den Orion, den Wagen, das Kreuz des Südens. Was war so anders als der Sommernachthimmel? War es die Schwärze, die so früh begann, der Tunnel? Nichts flog des Nachts, nicht mal die Eule.

Es mag die klare Luft gewesen sein, die wie ein Vergrößerungsglas wirkte, die Milchstraße näher brachte. Ich sah ihren Rand ausgefranst, ihre Spur nicht gerade. Ein Band aus Streu. Allein das Oben und Unten machte mir schon Probleme, die Weite erst recht. Und dass dazwischen Vakuum sein sollte, das aus nichts anderem bestand als Zeit und Raum.

Bescheiden wurde ich bei all meinen Sorgen, die so klein wurden. Ich nahm mir einen Stern; einen, der mächtig funkelte. Einen Splitter sprühend Diamant besetzt und versprach, ihn bei Gelegenheit mal zu besuchen. Nicht wirklich, nur in Gedanken versteht sich. Wollte ihm beim Feuerwerk auf die Finger schauen. Der Hauch meines Atems erinnerte mich daran, das Haus schnell zu suchen und ihn, den Funkelnden allein zu lassen. War sicher, dass er es kannte.

So manches Schöne sieht man erst nachts, wenn alles ruht, denkt man. Doch nichts ruht. Denn selbst im Traum sind viele unterwegs zu anderen Welten. Wie ich zum Stern, den ich als meinen kenne.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch