Text 615/628

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Wunschliste
Der Text
Was ich mir von dir wünsche ist deine stürmische Art, mit der du aber auch alle meine Gedanken durcheinander wirbelst. Ohne dich einmal auch nur umzudrehen überlässt du das Durcheinander in meinem Kopf und mich frieren. Dann aber spüre ich deine leuchtenden Farben und sehe darin deinen eigenen Abschied. Melancholisch, an das erinnernd, was das Leben ausmacht. Ohne dich, Herbst, würde etwas fehlen, nach dem ich suchen würde, Sehnsucht hätte.

Wer noch niemals einen Winter erlebt hat, schaut auf die Schneebilder, die schweren Zweige der Tannen, wischt sich den ewigen Schweiß von der Stirn, und will sich ins Weiß fallen lassen, das ausnahmsweise einmal kalt ist. Welches Glück! So schauen Viele auf jene im vermeintlichen Glück, die es im heißen Sand suchen und tagelang graben, anstatt es daheim zu finden, wenn sich nach dem Öffnen der Tür nichts als Stille über den gefallenen Schnee breitet.

Von dir, Frühling, weiß ich wie du dich anfühlst, riechst, schmeckst, wie du mich warten lässt zu einer ersten Verabredung und dich verspätest, als könntest du es dir leisten. Um zu wissen, dass du kommst, brauche ich nur die große Flügeltür zu öffnen, zum Garten hin. Beuge mich zu dir herab, um das kleine Gelb zu sehen, das die Erde durchbricht, als hätte es einen Schlüssel gefunden, sie zu öffnen, damit ich eintreten kann, um bald ein paar Zweige Flieder zu brechen.

Bitte bring mir noch Folgendes mit aus der Stadt: Eine Tüte Geschäftigkeit von einem Wochenmarkt, Holzkohle zum Grillen, einen guten roten Tropfen für ein Glas am Abend. Einen, der spät beginnt und nicht aufhören sollte, einen, der in der Dunkelheit noch einmal Wärme gibt, und mich von sommerlichen Getreidefeldern träumen lässt, die nichts anderes können, als sich im Wind zu wiegen, und mit jedem Tag der Reife leichter werden. So wie ich.
Typ
Weisheit
Autor
Burkhard Jysch