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Titel
Schwerelos vor großer Reise
Der Text
Am späten Nachmittag hatten sie sich zusammen getan. Zu viert waren sie dabei, am hohen Himmel Kreise zu ziehen. Vier Störche, ohne einen einzigen Flügelschlag mit dem Blick nach unten auf die Rheinwiesen in ihrem sommersatten Grün, in denen es krabbelte und hüpfte, huschte, oder angstvoll nach oben schaute zu ihnen....

Es schien so, dass sie gar nicht vor hatten zu fressen, es glich eher einer Übung in den schwülen Luftströmungen, die sie mal nach oben schoben, mal zur Seite drückten, als ob sie jemand störten. Hier unten herrschte Windstille. Das Ganze gab ein Bild ab, das Fragen aufwarf. Wie konnte es sein, dass ohne jede Bewegung konstante Kreise möglich waren?

Die Antworten liegen längst auf dem Tisch, aber damals, als die Gebrüder Lilienthal in ähnlichen Wiesen auf dem Rücken liegend nach Erklärungen suchten, gab es diese noch nicht. Es quälte sie den Schlüssel zu finden, um selbst eines Tages schwerelos zu werden wie die Störche. Es musste etwas sein, ein Geheimnis, das die Störche schon damals auf ihrem langen Weg nach Afrika mitnahmen. Sie behielten es für sich, während sie nach unten auf die beiden Gestalten schauten in der weiten Landschaft bei Anklam.

Der Traum vom Fliegen ist längst keiner mehr. Ist eher zum Alptraum geworden in Warteschlangen vor den Check-in-Schaltern konkurrierender Airlines. Das Erlebnis Fliegen ist geläufig geworden, und für den, der öfters fliegt fast lästig, und selbst beim Start nicht mehr wert, als das Heben einer Augenbraue.

Die Störche strebten, einer nach dem anderen, dem Rhein zu, der nicht weit entfernt für Viele Orientierung ist. Ein Sehnsuchtsort nach Süden, und für sie bald eine schwerelose Reise zu den Sümpfen Afrikas.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja