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Titel
Portugiesische Impressionen Teil 3
Der Text
Das Meer hat sich zurück gezogen. Das, was mit dem Begriff Ebbe verbunden ist, sagt nur wenig. Mehr sagen mir die kleinen Schicksale, die sichtbar werden. Der Arm einer Krabbe, blass, aus dem Sand ragend, Rippen im Wasser überspülen Sand aus kleinen Dünen. Das Meer trägt Strass. Je mehr es der Sonne zu Füßen liegt, desto schmuckvoller. Auf dem Rücken liegend erwarte ich die nächste Welle mit Blick zum Strand. Ein Spiel, das der gewinnt, der rechtzeitig nicht einatmet. Erstaunlich warm der Atlantik, erfreulich sauber. Fast keine Strömung, flach abfallender Sand, der von dunkelgelber Safranfarbe und mehlig ist.

Das Amulett aus Glitzerwelt ist weiter gereicht, folgt aber der Sonne, der es gehört. Wie ein Spiegel, der sich bemüht hinter sich selbst zu schauen, um zu sehen, ob da noch mehr ist....Völlig unbeeindruckt von der Szene laufen zur Zeit Verkäufer durch den Sand, die in beachtlichen Kästen Gebäck anpreisen. Typisch portugiesisch. Laut, lauter und noch lauter sind es Berliner, sowie flache Teigplatten gegen den Hunger.

Beim letzten Bad im Meer begleitet mich eine Seenadel. Wir spielen das Spiel: Fangen im Flachwasser. Sie gewinnt natürlich und lässt es mich irgendwie spüren. Schwärme von kleinen Fischen, deren Name mir ebenso verborgen bleiben soll wie ihnen der meinige, rucken im Gleichtakt in eine vorgegebene Richtung. Ein Synchronschwimmen, das ihrer Sicherheit dient.

Bald wird das glanzvolle Amulett stumpf sein wie Sterling Silber, das nach einem heißen Tag untergangsgeweiht im Meer versinkt. Mehr und mehr Strandbesucher ziehen sich zurück, so dass am Ende doch das bleibt, was am Morgen wieder zu finden ist. Eine ausgedehnte Fläche Sand, angespült und weggeschwemmt, zermahlen wie es der Wind nur kann, wenn er sich geduldig daran macht, ein Gebirge zu schleifen. Tage am Meer haben nur einen Verlierer, nämlich den, der zu früh sich zum Gehen aufmacht, um der Ordnung des Alltags zu folgen.
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch