Der Text
Wer auch immer sich dieses Tier aus dem hohen Norden ausgesucht hat, dem man den Namen Rudolf gab, er wird sich dabei etwas gedacht haben. Gab es den Weihnachtsmann schon, den Schlitten, den Tannenbaum, und alle sonst noch Beteiligten rund ums Fest, wer sollte also den Schlitten ziehen, auf dem die ganzen Geschenke lagen? Ging da eine Stellenanzeige herum mit dem Inhalt: Suchen ein kräftiges Tier, möglichst nördliche Hemisphäre für Saisonarbeit? Wurden Mitbewerber wie Eisbären, Robben oder Polarfüchse ausgeschlossen? Das beteiligte Arbeitsamt soll einen Mitarbeiter beschäftigt haben, der dem Aquavit nicht abgeneigt war, und selbst eine rote Nase vorweisen konnte wie das Tier, das jetzt vor ihm stand zur Begutachtung auf Eignung, Leistung und Befähigung. Der Eisbär hatte zuvor schon zwei Wärter erlegt, die vor dem Amt für Ruhe und Ordnung sorgen sollten, und kam nicht mehr in die Auswahl.
Als Rudolf zu seiner Herde zurückkehrte, wurde er mit ungläubigen Blicken empfangen, als er ausrief: "Ich habe den Job!" Es musste mit seiner Nase zu tun haben. Seither machen sich dieses Erfolgsmodell auch Rheinländer zu eigen, die in der Session ebensolche Nasen aufsetzen, und noch im Februar an Rudolf erinnern, der schon längst wieder in der riesigen Herde untergetaucht ist und nach Flechten kratzt.