Der Text
In knapp zwei Stunden stand ich am Ableger des kleinen Hafens, wo sich einige Krabbenkutter an die Kaimauer anlehnten, während sich zwei davon das Fell schrubben ließen. Ich mochte den Geruch nach Arbeit und Sturm, den nach Tang und nach Bootslack, wenn die Sonne drauf schien. Nicht den nach Parkverbotsschildern bis ein Meter Höhe, Straßengullys und Mensch, wenn er geballt auftrat.
Noch lief nichts hinaus. Aber in einer Stunde sollte es genug Wasser geben. Vor Stunden hatte es sich in seiner Art zurück gezogen, nicht ohne eine Duftfahne über dem Hafen zu lassen, die sich bei ruhigem Wind um die Nasen der Touristen kräuselte. Ich bestieg die Fähre nach Spiekeroog, meiner Lieblingsinsel im Watt. Es hieß, dass ich mit dem Rad direkt vom Anleger ins Ostland fahren solle, dann wäre ich allein. Ganz allein? Ja, ganz allein.
Schnell war das Rad gemietet. Bis zum Sonnenuntergang würde ich es wieder bringen. Während ich noch auf Festland war, muss hier ein warmer Tag gewesen sein. Er verstand es, sich eine Extrazeit zu nehmen, sich im niedrigen Buschwerk hinter dem Deich zu verstecken, und mir in Schwaden mit dem Fahrtwind zu schmeicheln. Unaufgeregt grasten Schafherden im satten Grün des Frühsommers. Ich hatte mir bewusst kein Ziel vorgenommen, wollte nur allein sein. Ganz allein sein. Man hatte mir nicht zu viel versprochen. Die meisten Besucher befanden sich auf der Westseite, um den Sonnenuntergang zu fotografieren.
Irgendwann erreichte ich den Punkt zur Umkehr. Es wurde Zeit, den Weg wieder zurück zu legen, der zwar derselbe war, und doch etwas anderes in sich trug. Abschied mit etwas Wasser zwischen Insel und Festland, zwischen grasenden Schafen und Alltag.