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Titel
Norwegen Kreuzfahrt
Der Text
Erste Geräusche

Zu Beginn einer Schiffsreise sind es Hafengeräusche. Klirren von Ketten, schlagendes Metall, das Schwappen von Hafenwasser und Abschiedsrufe von der Mole herüber zum Schiff, wo sich die meisten am Oberdeck versammelt haben und winken. Aus dem Signalhorn des riesigen Schiffes ertönen drei Töne, die übers Terminal wehen, während gleichzeitig die Schiffshymne erklingt. Ein Lied vom Grafen der Gruppe Unheilig mit dem Titel "Große Freiheit".

Ein groß geschriebenes Wort am Rumpf des Schiffes lautet: "Wohlfühlen". Und genau das ist es, was die ganze Reise verspricht und auch hält. Auf den Gängen liegen dicke Teppiche, die sämtliche Geräusche ersticken. In den Restaurants geht es geräuschvoller zu. Das gemischte Publikum im Durchschnittsalter von 60 Jahren kreuzt mit Tellern vor den üppigen Auslagen der Buffets und sucht sich einen freien Platz vorzugsweise am Fenster. Es fehlt an nichts, alles ist frisch. Dafür sorgen in der Kochbranche fleißige Helfer, neben etwa 1000 anderen für 2500 Passagiere.

Ich besuche eine Vorstellung des Klanghauses. Eine raffiniert ausgeklügelte Halle, in der mit Boxen und Mikrofonen gespickten Technik das Hörerlebnis zu genießen ist. Bis die Jungfamilie Eintritt erhält. Der Jüngste gibt alles, und macht es den Zuhörern schwer den Erklärungen zu folgen....

Erster Stopp ist Bergen. Als regenreichste Stadt in Europa präsentiert sie das Gegenteil dessen. Warme Temperaturen und trocken lassen Regenjacke und Pullover in der Kabine. Leider auch unsere Gutscheine für ein Fischbrötchen und eine Fahrt mit der Kabelbahn auf den Hausberg Flojen die im Safe verblieben. Zurück im Schiff erfahren wir gesperrte Treppen und stillgelegte Aufzüge, entgegen kommende Mannschaften mit Feuerwehr Vollschutz. Eine Übung, bei der wir aber bis zum Zimmer durchgewunken werden, um an unsere Gutscheine zu kommen. Der Blick etwas später herunter auf die Stadt und die Fjordlandschaft um Bergen entschädigt alles. Das Fischbrötchen tut sein Bestes.

Vom Wechselgeld für 10 Euro, das wir zu einem grottenschlechten Kurs gleich bei der Tourist Info am Hafen erhalten, können wir uns eine Tasse Kaffee und ein Glas Bier leisten. Die Elchwurst vom Marktstand schon nicht mehr. Sie wäre auch unter die Einfuhrbestimmungen als verboten gefallen.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja