Der Text
Wer erinnert sich noch an die Zeit der Pferdekutschen und Gespanne, der Wirtshäuser an ihrem Weg, wo Mann und Ross den Durst löschen konnten eimerweise? Sicher nicht viele, denn inzwischen brach das Zeitalter der Motorisierung über das Volk herein, als Segen und Fluch. Als Segen verzeichne ich das Überbrücken der Zeit, die man sonst im Gespann "verlor". Mit 1-2 PS unterwegs zu sein bedeutete eine gewisse Planung. Heute schaut man auf die Tankuhr und den Reifendruck, vielleicht ab und an nach dem Ölstand, damals nach Pferdedecken für die Nacht.
Die "gewonnene" Zeit hätte also ihre Chance gehabt sich positiv auszuwirken. Stattdessen höre ich im Autoradio den Verkehrsfunk auf WDR2:
"Wir melden jetzt nur die Staus ab 6 km Länge", wobei hernach ein minutenlanger Monolg einsetzt über A´s und B´s, und Umleitungsempfehlungen und, ganz wichtig: "Sie verlieren hier 30 Minuten, dort eine Stunde." In dieser verlorenen einen Stunde wäre mein Gespann schon beim nächsten Wirtshaus, wo sich Mann und Ross....., aber das hatten wir ja schon. Nicht, dass ich das Auto abschaffen will und beabsichtige ein Pferd auf den Parkplatz zu stellen, ich will dezent auf den nächsten Automobilsalon hinweisen, wo PS Stärke im Vordergrund steht. Je mehr, desto schneller. (theoretisch).
Was hätte Otto wohl bei der Erfindung seines Motors empfunden, ahnte er das Dilemma, was damit angerichtet wurde? Ich könnte mir vorstellen, dass er den Griffel hingeschmissen hätte, und Pferdezucht betrieben. Ohne Staus, dafür mit mehr Landluft, Landschaft und Wirtschaft. Bei steigender Lebenserwartung hat der Mensch heute noch mehr Zeit im Stau zu stehen. Wie schön, sage ich mir. Doch ganz tief im Innern, während ich auf der A2 in die 30km lange Baustelle gerate, lenke ich mich ab mit diesen Gedanken und schaue sehnsüchtig auf eine Pferdekoppel neben der Piste, während ich die äppelnden Zossen zähle, die ihrer Lebensfreude Ausdruck geben, und der Satz: Da lachen ja die Pferde seinen Ursprung haben dürfte.