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Titel
Paradiesvögel
Der Text
Die Anzeige einer Frau erreichte sogar die Öffentlichkeit. Auf einem der zahllosen Märkte in Bangkok kaufte sie vier bunte Vögel in einem Käfig. Sie war fasziniert von den schillernden Federn und den Ativitäten der Tiere. Die Haltung sei unkompliziert, versprach der Verkäufer, sie fräßen so ziemlich jedes Futter, nichts Spezielles. Er empfahl allerdings Käfighaltung, da sie dazu neigten, das Weite zu suchen. Das gefiel der Frau. Auch sie suchte das Weite und fühlte sich den bunten Hüpfern verbunden.

Als sie in ihr Haus zurückkehrte, stellte sie den Käfig in die Nähe des Fensters. Die Sonne entfachte ein wahres Feuerwerk auf Flügeln und Wams. Das Gezwitscher ging allerdings ihrem herrischen Mann gehörig auf den Senkel. Mit der Ruhe war es vorbei. Sie hatte sich längst von ihm innerlich getrennt, und ertrug ihn höchstenfalls noch. Ihren neuen Lieblingen sollte es besser gehen. Am folgenden Morgen, so stand es in der Zeitung, stellte sie eine große Schale Wasser in den Käfig, damit sie ein Bad nehmen sollten nach all den Strapazen in neuer Umgebung.

Dankbar nahmen sie es an, warfen sich unter lautem Gezwitscher in den Minisee und balgten sich. Dann geschah etwas, das dem Mann seit Jahren ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Die Paradiesvögel wechselten die aufgetragene Farbe und entpuppten sich plötzlich als gemeiner Hausspatz. Schmuddelig, gesellig, lebensfroh. Und das, so stand es in der Zeitung, hat ihnen selbst wohl am meisten gefallen. Die Farbe endlich los zu werden. Dieses entsetzliche Geflimmer.

In den Kopielabors des Ostens wird schon kräftig an wasserfester Farbe gearbeitet, die spatzentauglich ist, und den Kunden das Gefühl gibt, ein Teil des Paradieses zu sein. Mit Adidas und Nike hat es ja auch geklappt.
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Ja