Der Text
Es ist so etwas mit den Häfen, Flughäfen und Bahnhöfen. Etwas Bestimmtes, das mich einnimmt, abstößt, das mich frösteln lässt im Sommer, oder die Kälte im Winter nicht spürbar macht. Es kommt immer darauf an, wen man verabschiedet oder erwartet. Manchmal ist sogar etwas Erheiterndes dabei.
Gemeinsam tragen die Orte Beginn oder Ende in sich. Trennung oder Wiedersehen. Manchmal bleibt einer zurück, ein Wink durch die Scheiben, ein letzter Blick, ein verrenkter Hals, bis der Reisende im Gewühl verschwindet, und der andere den Heimweg antritt. In Southhampton winkten sie damals von der Titanic und schwenkten ihre Hüte; in sich das Vor-Gefühl der Neuen Welt und den Abschied von den Lieben.
Ich sah mir den letzten öffentlichen Auftritt von Queen Sänger Freddie Mercury im Fernsehen an, wie er den gewohnten Beifall des Publikums annahm, und sich dann doch noch einmal zu ihm umdrehte. Ich bemerkte eine winzige Verzögerung in diesem Moment. Er wusste von seinem Schicksal, die Band und die Öffentlichkeit lange Zeit nichts.
Um auf das Heitere zurück zu kommen, erinnere ich mich gern an die Ankunft der Schwiegermutter aus England über Amsterdam nach Bremen. Wir erwarteten sie und hatten eine englische Fahne an einem Besenstiel befestigt. Daran noch ein paar Gummihandschuhe, die sie bei der Küchenarbeit gern trug. Was mir unbekannt war damals war der Umstand, dass man die Fahne in ganz besonderen Fällen falsch herum aufzog, um auf eine Notsituation hinzuweisen. Sie hat schmale und breite Streifen, die sich kaum unterscheiden. Engländer wissen das. Die ersten Passagiere kamen durch die Tür, und prompt spricht mich ein Engländer auf die Fahne an:
"Sorry, is it a case of emergency?"
Und ich sage spontan darauf:
"Yes, we`re awaiting my mother in law!"
Bis zu ihrer Begrüßung drehte ich aber noch rechtzeitig das Symbol. Wer weiß, wie sie es aufgefasst hätte?