Der Text
Die Nummer mit dem Leihwagen
Am Tag 8 nach der Ankunft steht der Leihwagen, ein frischer VW Golf, vor der Tür des Hotels. Die Route ist explizit ausgearbeitet und folgt dem roten Marker der Reiseleiterin Inge, die in Portugal seit Jahren wohnt. Es gibt nur drei Ost- West Verbindungen an der Algarve. Die Küstenstraße, die Autobahn und die landeinwärts gelegene Bergstraße. Im letzten Jahr fuhr ich versehentlich auf die Autobahn. Dies sei vorausgeschickt. Die Bergroute ist zauberhaft, ich nehme sie, um schnell nach Albufeira zu kommen, sagt sie. Und da wollen wir hin.
Nach halbstündiger Fahrt sind Meer links und Berge rechts etwas im Dunst zu sehen. Zur Abfahrt Flughafen Faro sollten wir uns rechts einordnen. Will ich ja nicht. Wo ist plötzlich Albufeira? Ein Zetern hebt an vom Navigator rechts neben mir. Der Schuldspruch ist schnell gesprochen. Dann versuchen wir es querbeet...kommt vom Lenker.
Wir durchfahren verschnarchte Dörflein, durch die Handkarren gezogen werden, morgenmüde Bougainvillenhecken am Rand, trosttotes Terrain bescheidener Größe unbekannter Orte. Und ändern unser Ziel plötzlich, so als ob uns der Tourismus Albufeiras nicht mehr interessiert. Ein Geschmack, auf den wir gekommen sind. War da nicht Loule´? Der Reiseführer: "Aus den zahlreichen Werkstätten dringt lustiges Pfeifen der Handwerker und Sing Sang des Fado" (Fado ist der Singsang eines Handwerkers, der statt des Eisennagels mit dem Hammer den eigenen traf). In Wahrheit wird der Marktplatz in der Mittagshitze gepflastert, wozu die Anwendung eines schreienden Trennschleifers den Fado ersetzt.
Wir betreten die große Markthalle, in der die nicht verkauften Fische wieder eingewickelt werden, ins Eis verpackt. Es ist Siesta. Die Zeit, in der alles erstarrt und seine Geschäfte ruhen lässt. Endlich finde ich den Leder Gürtel, den ich schon immer haben wollte in einem der Schaufenster, das ultimative T-Shirt mit nur Farbe und nix Text drauf. Beim Blick auf die Öffnungszeit lese ich:
Von März bis Oktober. Es ist halb 2 Uhr. Das hilft nur bedingt. Überhaupt sind die Portugiesen preisverdächtig schweigsam in der Auszeichnung. Ein Strichcode ist für mich die größte Herausforderung des 21sten Jahrhunderts, egal in welcher Sprache.
Mit einer Cola im Bauch nehmen wir die Rückfahrt ins Visier. Der Reiseführer spricht von einem Restaurant, das auf der Strecke liegt, und hervorragende Mahlzeiten der Region anbietet. Wir haben Hunger. Vorbeigefahren und zurückgekehrt parken wir vor der Adresse. Ein paar Einheimische prosten sich am Eingang zu. Mein Magen freut sich schon. Um 1510 Uhr am Nachmittag ist die Küche schon 10 Minuten geschlossen. Sorry, sagt sie, und dass es ihr leidtut. Die Geschäfte in Loule´ öffnen jetzt. Die mit dem Gürtel und dem T- Shirt.
Ach ja, da ist ja noch das Heimatmuseum in St. Bras´: "Das müssen Sie sich ansehen. Es liegt Nähe Stadtkern. Zuerst ist die Straße noch breit, wird dann aber immer schmaler, und dann ist es rechts." Sagt Inge, die ja auch den Leihwagen organisiert hat. Wir treffen den Kern und parken hinter einem LKW, dessen Fahrer Gemüse auslädt, um es in einen Supermarkt zu schleppen. Ich folge ihm durch diverse Gänge, will ihn aber nicht ansprechen. In der Fleischabteilung stoße ich auf zwei Fachverkäuferinnen, die mir gewiss helfen können.
"Hello!" Es folgt meine Frage nach dem Museum in allen mir bekannten Sprachen, bis auf Portugiesisch. Dabei benutze ich die Hände, die ein Museum darstellen sollen. Beide legen ihren Kopf schräg bei den Worten: Mausoleo? Museo? Musi Musi? Nach Müsli werde ich in die Babyabteilung geführt. Wir kommen doch noch zu einem guten Ende, denn sie scheint begriffen zu haben. Es sei nach dem Ausgang links, nur eben um die Ecke quasi.
Da sind die öffentlichen Toiletten.... Ich bin der Meinung, dass Europa noch viel enger zusammen wachsen muss, um die Sprachbarrieren noch mehr einzureißen.
Den Rest des Tages wollen wir erfolgreicher gestalten. Nach einem Snack kurz vorm Hotel nehmen wir Kurs auf Montegordo, wörtliche Übersetzung für Der Berg keiner Parkplätze. Die Sache mit dem Leihwagen beenden wir mit einer 30 Euro Füllung Sprit und dem Gefühl, eine Menge von dem gesehen zu haben, was wir gar nicht sehen wollten, das aber überraschend positiv, und der Erkenntnis, dass ich auch ohne Gürtel die Hose am Knochen halten kann.