Der Text
Wiedersehen nach 350 Tagen
Wieder in Portugal. Zwischen allem Tourismus ist Grün. Das des harten Grases unter den Palmen, das leicht stumpfstaubige der Olivenplantagen, das satte der Zitrushaine, und wenn der Blick weiter geht, zieht es sich hin bis zu den Ausläufern der Berge im Hinterland. Und dann ist da noch das Blau vom Himmel bis zum Grund des Atlantik.
Wer weiß schon wie viel Fantasie der portugiesischen Seefahrer seinerzeit zwischen diesen beiden Farben hin und her ging, um die anderen Farben zu finden, von denen sie glaubten, dass es sie geben musste entlang der Westküste Afrikas? Vom Staub des kleinen Fischerhafens überdrüssig ließen sie sich auf schwankende Planken ein, die sie einer noch unbekannten Strömung aussetzten. Sie suchten einen Seeweg und fanden erstaunt die Kanaren.
Heute herrscht strammer Wind bei gleichzeitig sengender Sonne. Kein Widerspruch, eher ein falsches Spiel, das die Haut kühlt während sie verbrennt. Um das voll belegte Hotel ameist es durch vorwiegend Jugendliche und portugiesische Familien mit Kindern. Das Warten aufs freie Zimmer zieht sich. Im Foyer mischt sich An- und Abreise, blass und braun, müde und erwartungsvoll, und ein unbestimmtes Gefühl in der Magengrube, das der Magen verbreitet, wenn er knurrt. Der ausdrückliche Wunsch schon bei der Buchung, nicht wieder über dem Hinterausgang ein Zimmer zu bekommen, wurde von der Hotelrezeption insofern berücksichtigt, dass wir dasselbe Zimmer bekommen, welches uns einige schlaflose Nächte ein Jahr zuvor bereitet hatte.
Manche Wünsche gehen eher in Erfüllung, wenn man sie nicht benennt.