Der Text
An manchen Abenden, wenn es die Sonne all zu gut gemeint hatte mit dem schmalen Strand, und die Lavamauer die Hitze speicherte, an jenen Abenden saß man gern eben dort, um sie sich anzuschauen, deren Art es war, sich einen der Hügelkämme der Nachbarinsel auszusuchen, um dort zu verschwinden. Sie sank nicht, sie verschwand. Schnell, als hätte sie etwas gestohlen, etwas zu verheimlichen, das sie in den Bergen verstecken wollte...Nur ihre Spur konnte sie nicht verschleiern. Noch ein Weilchen am Himmel durch alle Farben des Spektrums, zu dem der Himmel fähig war. Und in der Mauer war sie noch, die sie schwer ausatmete in Tagesmüdigkeit. Scheinbar war die Mauer leblos, doch beim näheren Hinschauen konnte man Ameisen erkennen, kleine Biester, die an etwas zerrten und schoben. Am Arm eines Krebses, am Fühler einer Kakerlake, an kleine Schicksalen, die das Meer abgelegt hatte wie einen Mantel, den es zu lange schon getragen hatte.
Plötzlich, wenn man dieses Geschehen als einzige Sensation an Bewegung dieses Tages erblickte, plötzlich wurde es bewusst, wie das Eine vom Anderen lebte, es brauchte, nutzte, das Leid und die Freude durchs Leid, die die jeweils andere Seite erfuhr. Schließlich bugsierte eine Hundertschaft den Krabbenarm zum Fuß eines Riesen Lap Laps. Seine Wurzeln hatten sicher den Strand längst unterwandert auf der Suche nach Wasser. Wir begnügten uns mit der Suche nach Flüssigkeiten mit dem einheimischen Rum. Rein, mit Cola und Eis hatte er die Kraft einer Stufe der Trägerraketen, mit denen man ins All flog und antriebslos zurück kam.
Woher das Eis kam, war uns so lange egal, bis es im Gedärm anfing zu grummeln. Meist begann damit eine leidvolle Geschichte über Gut und Böse. Gut war es, eine Dorftoilette in der Nähe zu wissen, böse dann der Anblick. Da das Eis gewöhnlich auf der Ladefläche eines LKW angeliefert wurde, befand es sich in trauter Gesellschaft mit Füßen von Mensch und Tier. Hühner und Touristen liebten seine Nähe, das Eis kämpfte ums Überleben.
Der Teufel transportierte sich selbst und landete entweder im Cola Glas oder auf dem Salat. Dieser wanderte in den Darm und traf dort auf europäische Bekämpfungstrupps, die sofort die Grätsche machten und sich ergaben. Der Gang zum Dorfklo war vorgezeichnet. Man verlor Gewicht und manchmal das Klo aus den Augen. Einem ausreisewilligen normalen Furz bei uns wurde ein striktes Ausreiseverbot erteilt.
War ein Dorfklo am Ende seiner Fassungslosigkeit, wurde es seines Daches ledig, das wieder in der Nachbarschaft errichtet wurde, die Grube mit Palmwedeln veredelt. Mitgenommen nur der Wedel, mit dem nachgeholfen wurde...Die philippinische Wandertoilette kam nicht mal in die Nähe einer Exportgenehmigung....
Damit aber die Welt nicht nur aus Leid bestehe, nahm ein saftiges Mahl früh morgens seinen Anfang. Eine Grube mit Steinen und trockenem Holz belegt, das entzündet auf Temperatur gebracht wurde, bekam Besuch von einem der Hängebauchschweine. Man schenkte ihm ein Bambusrohr von vorn bis hinten und kurbelte stundenlang, bis es braun und saftig war am Abend. Mit Bier bestrichen wechselten sich Jünglinge beim Kurbeln ab. Das Dorf kam zusammen und wir. Wer ein knuspriges Hautstück erwischt hatte, der hatte Glück. Bestrichen mit Mamies Best, einer einheimischen Feurigkeit in Saucenform, freute sich schon der Wanst auf neue Herausforderungen....
Die Sternennacht fiel über uns her an der Mauer, und wenn die Liebe einen Platz gebraucht hätte, um geboren zu werden, es wäre jener Platz gewesen zwischen dem Meer und den Riesenwurzeln des Baumes, der auf der Suche nach Leben dort fündig wurde.
Ganz wie wir.