Text 409/667

Titel
Kontoauszug
Der Text
Neben den allgemeinen Einkäufen des Tages ergibt es sich, dass dazu erst einmal Geld von der Kasse geholt werden muss. Mutter sprach es, und setzte sich auf den Beifahrersitz. Auf ging´s in den Nachbarort, wo sie seit Ewigkeiten ihr Konto hatte. Geparkt vor der Sparkasse fragte ich sie, ob ich mitkommen müsste, falls sie aus irgendeinem Grund Probleme haben sollte. Nein, sollte ich nicht. "Ich will ja nur meine Auszüge und etwas Bares, und sie kennen mich da schon lange".

Vorsichtig überquerte sie die Straße zum Eingang hin, und war erst einmal verschwunden. Inzwischen setze sich ein Fahrzeug in die Parklücke vor mir. Selbes Fabrikat, selbe Farbe, nur Viertürer. Kurz darauf kam Mutter wieder aus der Sparkasse mit den Kontoauszügen in der Hand, schaute links und rechts und überquerte trotz ihrer Sehschwäche die belebte Straße zu meiner Zufriedenheit. Doch dann passierte doch etwas. Es war bereits zu spät laut zu rufen. Wie selbstverständlich öffnete sie die rückwärtige Tür des vor mir stehenden Autos, und setzte sich auf die Rückbank.....

Der Fahrer schaute in den Rückspiegel. Ich konnte sein Gesicht mit ein paar Fragezeichen sehen, während Mutter sich voll auf ihre Kontoauszüge konzentrierte. Ich versuchte die Gedankengänge in dieser Minute nachzubilden.
Fahrer: Es ist ein Überfall im Gange, die Banklady besteigt den Fluchtwagen und schweigt wegen der Aufregung...
Mutter: Nein, wieder eine zu hohe Stromrechnung, und einmal mehr zu wenig Rente auf dem Konto.
Ich: Soll ich eingreifen? Soll ich dem Wagen folgen, wenn er losfährt? Was sagt bloß der Fahrer zu ihr?
Und plötzlich öffnet sie die Tür und kommt zu mir ins Auto.
"Was hat denn der Fahrer gesagt?" will ich wissen.
"Wir haben kein Wort gewechselt, nicht ein Wort"!

Seither begleitete ich sie auf allen ihren Wegen, und hielt ein wachsames Auge auf sie. Es könnte ja sein, dass einer ohne zu fragen mit ihr losfährt....
Typ
lustig
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein