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Titel
Hongkong in den 80ern
Der Text
Dieser klingende Name hat heute eine andere Bedeutung als zu der Zeit, als wir diese Region besuchten. Es war noch unter englischer Verwaltung, hatte eine Presse und ein buntes Vielvölkergemisch bewegte sich auf den engen Straßen wie Wellen, die von Steilwänden links und rechts begrenzt wurden. Um ein Stück Himmel zu sehen musste man den Kopf schon gut in den Nacken legen. Schon der Anflug auf Kai Tak, dem internationalen Flughafen, war ein Abenteuer, und verlangte von der Besatzung mit Sonderschulung alles ab, bei den Passagieren die am Fenster saßen erzeugte es ein Schaudern. Sie sahen seitlich in die hell erleuchteten Fenster der Hochhäuser, die bereits höher ragten als die anfliegende Maschine.

Kurz nach einer Steilkurve setzte der Pilot das Flugzeug hart auf, bremste mit allen verfügbaren Mitteln ab, und entfernte sich rasch von der Piste, da das nächste Flugzeug mit spürbarem Luftzug hinter uns schon wieder landete. Die Piste selbst war im Meer aufgeschüttet und ließ keinen Raum für einen Fehler, was man von einigen Fehlanflügen erfuhr, die im Wasser endeten...

Die internationale Hektik nach der Ankunft überschattete die Müdigkeit nach dem Flug, das Gepäckband gab die Koffer wieder raus, die wir in Bangkok aufgegeben hatten. Kleines Gepäck nur, das wir mit neu gekauftem großen, und voll gefüllt mit Einkäufen auf dem späteren Heimweg wieder mitnehmen sollten. Die Unterkunft war schnell mit dem Linienbus erreicht, und lag im 18ten Stock, der durch einen Minifahrstuhl im Gedränge erkämpft wurde. Die allgemeine Enge würde uns die ganze Zeit nicht loslassen. Wir bezogen in der Pension ein Zimmer in den Ausmaßen eines Hochbettes, das sofort nach dem Eintreten vor uns lag. Wir schlossen die Schiebetür hinter uns und würden wohl nicht unbedingt länger hier verweilen als um zu schlafen. Erschwerend kam allerdings hinzu, dass durch ein hohes zerbrochenes Fenster eine Katze im Nachbarzimmer eingeschlossen war und ununterbrochen Schreie ausstieß. Das Zimmer war selbst für die Vermieterin nicht zu öffnen, da mit einem schweren Vorhängeschloss verriegelt.

Nach der ersten Erfrischung machten wir uns auf Entdeckungstour, die uns in die Schluchten dieser unglaublichen Stadt hinein trieb, an den endlosen Schaufenstern vorbei, hinein in die Malls, die oft miteinander verbunden waren, so dass man am Ende nicht mehr wusste wo man sich eigentlich befand. Hier wurde gegessen, gekocht, eine Fabrik im elften Stock wurde durchquert, um in ein anderes Einkaufszentrum zu kommen. Diese Eindrücke hielt man nicht mehr als drei bis vier Tage aus, was wir von Insidern bereits wussten, nur nicht glaubten. Ohne meinen Kollegen, der ein hervorragendes Ortsgedächtnis hatte, und bereits öfters hier war, wäre ich erst nach Jahren heim gekommen.

Vom Festland Hongkong mit dem Walla Walla (kleines Fährboot) durch den Viktoria Hafen erreichten wir Hongkong Island. Hier war das Happy Valley, die Pferderennbahn, auf die von den umgebenden Hochhäusern im weiten Rund herab geblickt werden konnte. Hier kamen wir ans Ziel Stanley, ein kleines Hafenfleckchen mit Blick aufs Hai geschützte Meer und Shopping Center, wo es nahezu alles gab zum unschlagbaren Herstellungspreis. Vom Tennisschläger bis zur Skijacke und großen Reisetaschen, in die alles hinein gestopft wurde, was mit sollte. Bei geöffnetem Fenster genossen wir die Märzsonne bei Temperaturen um die 25 Grad in einem Cafe´, hörten Eric Clapton Musik und fühlten uns wie im Paradies.

Und wirklich waren wir müde, als es nach drei Tagen wieder heim ging mit dem Flieger, der die kurze Startbahn für einen zugewiesenen Moment nutzen durfte, um abzuheben, da die nächste Landung schon im Nacken war...

Es war Nacht, als es aufs Meer hinaus ging, das die Lichter dieser baulichen Unglaublichkeit auf engstem Raum in den Viktoria Hafen spiegelte, so als hätte man selbst hier im Wasser noch Gelegenheit Sonderangebote mit auf den Weg zu geben, durch den Zoll in Frankfurt mit vielen neugierigen Fragen beim Blick aufs große Gepäck.
Typ
Kurzgeschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein