Der Text
Südost Passat
Der afrikanische Schwarzen Friedhof lag gleich neben der Straße. Auf ihr rauschte das Leben nordwärts auf der Küstenstraße. Das Meer riss an den schroffen Steinquadern und schäumte beständig gemeinsam mit dem böigen Südost, der die Gischt bis hoch hinauf auf die Autoscheiben trieb. Mein Blick galt zuerst dem Meer auf der Linken, wurde dann aber abgelenkt von der Szene zur Rechten. Ein Gräberfeld aus schrägen Kreuzen. Ich mochte nicht sagen wie weit es reichte, es verlor sich im tief liegenden Dunst. Eine Mischung aus Wasserdampf und Staub.
Einige Plastiktüten hatten sich an Holzkreuzen verfangen. Bedruckte Plastiktüten mit bunter Werbung. Ich sah kein Grün, keine einzige Blume, sah keine Einfriedung um die Gräber. Alles glich einer Nebensächlichkeit, an der man vorbei fahren kann, vorbeifahren sollte.Trotz meiner Fahrgeschwindigkeit wollte das Gräberfeld nicht enden. Ich hatte sie verlangsamt, um ein Ende dieses Gräberfeldes zu sehen. Ob es da einen Zaun gab? Die Wahrheit aber war, dass es sich verlor. Staub trieb zu Staub, während mich alles überholte, was keinen Blick auf die rechte Seite übrig hatte, denn es gab ja da nichts. Immerhin war links das Meer, war seine Bewegung, seine Wut, die im Wagen bei geschlossenen Scheiben deutlich zu hören war. Auf dem Weg nordwärts konnte ich mich später eher an die Kreuze erinnern als an das Neuland, das vor mir lag. Ich fuhr quasi durch zwei Welten. Die zur Linken, die bewegte lebendige, und zur Rechten die der Vergangenheit.
Ich musste an die liebevoll gepflegten Gräber auf unseren Friedhöfen denken. An all die Blumen und aufgestellten Kerzen. Als ich an die lebendig fröhliche Waterfront in Kapstadts City zurückgekehrt war, gönnte ich mir eine Mahlzeit aus einem Hähnchen mit Pommes. Bis eine Mutter, die mit ihrem Kleinkind im Arm neben meinem Tisch auftauchte, wo ich das gebratene Hähnchen fast aufgegessen hatte. Ein einfacher Satz, verschämt leise ausgesprochen, als sollte er nicht gehört werden...
"I eat the bones!"