Der Text
Ich drängte mich vor dem Eingang des damaligen Niedersachsenstadions von Hannover, wie etliche andere, die nach dem Erwerb einer Eintrittskarte erwartungshungrig auf das Spiel waren, und nichts anderes wünschten, als der Heim Elf einen Sieg. Die Fans kleideten sich mehr oder weniger fantasiereich in den Vereinsfarben, rechts und links schubste sich die enger werdende Kolonne näher zur Pforte, wo zwei Ordner nach verbotenen Dingen schauten, nachdem sie einen Blick auf die Eintrittskarte geworfen hatten. Endlich war auch ich an der Reihe. Von dem Knirps an meiner Rechten hatte ich bisher nichts bemerkt. Wie denn auch bei dem Gedränge?
In jenem Moment, als der Ordner meine Karte zu sehen wünschte, zog mich der Knabe fast an ihm vorbei ins Stadion und brüllte: "Komm, Papa, komm schon!" Der Ordner verfinsterte seine Mine, hielt mich am Arm fest, und fragte nach der Karte für meinen eiligen "Sohn", der inzwischen natürlich hindurch geschlüpft war, und selbstverständlich im Gewühl verschwand. Ich muss gestehen, dass ich mir unverhofftes Vaterglück ganz anders vorgestellt habe. Im Wortwechsel mit der Aufsicht ließ sich natürlich der Nachweis meiner Vaterschaft nicht beweisen. Ich brüllte etwas von : "Er gehört nicht zu mir, es ist niemals mein Sohn gewesen, nicht gestern, nicht heute und nicht morgen!"
Der spontan entstehende Stau drückte mich Richtung Tribünen, und beim Zurückschauen konnte ich soeben noch die Augen des Ordners erkennen. Sie zeugten von einer Verachtung einer Zeit, in der Väter nicht mehr zu ihren Söhnen stehen, und sogar Vorteile erschleichen, vielleicht sogar nicht einmal Unterhalt zahlen.
Immerhin gab es einen Sieg im Heimspiel, von dem ich etwas abgelenkt wurde durch die Suche nach dem Blondschopf. Ich wollte ihn schon ausrufen lassen. Schließlich will man ja mehr erfahren.
Über Mutter zum Beispiel.