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Titel
Am Furz, da bleibt kein gutes Haar
Der Text
Jahrelang schleppe ich mich mit dem Gedanken um ein heikles Thema herum. Sucht man nach ernsthafter Literatur über den Furz, gräbt man vergeblich in den Annalen. Der Ausdruck variiert in jeweiliger Landessprache, was heißt, dass er immerhin nicht namenlos ist. Rein wissenschaftlich ist er ähnlich schnell erklärt, wie er gewöhnlich das Weite sucht. Generell aber mag ihn so richtig keiner. Sein meist kurzes Leben beginnt schon ganz oben im menschlichen Körper mit dem, was der Mensch isst.

Der Hülsenfrucht wird nachgesagt, dass sie nicht unerheblich an seiner Vielfalt akustisch, wie auch vom Duft her beteiligt ist. Pflanzenfressende Saurier der Kreidezeit konnten gar nicht soviel Kreide fressen, wie es für eine Unterdrückung des Furzes nötig gewesen wäre. Sie werden rülpsend und furzend umher gezogen sein, bis sie einem Scharfzahn zum Opfer fielen. Mit einem letzten verzweifelten Signal werden sie diese Erde für immer wohl verlassen haben...

Zur Entwicklung eines ordentlichen Furzes gehören Magensäfte, rege Darmtätigkeit, kein langes Herumlümmeln in irgendeiner Blinddarmecke. Strebsam reift er der Pforte entgegen, die ihm in mehr oder weniger Wohlklang eine Stimme verleiht. Die Variationen liegen ganz im Bestreben des Furzträgers. Befindet er sich in guter Gesellschaft, wird er alles tun, um ihm diese Stimme zu versagen. Dazu reicht meist im Sitzen ein leicht veränderter Schwerpunkt zu einer Seite. Empfohlen wird immer die dem Gesprächspartner abgewandte Seite.

Der Furz lebt nicht vom Klang allein. Es ist sein Duft nach Verderbnis und enttäuschter Liebe.Was hat er denn auch erlebt auf dem Weg bis zur Porta Nigra? Dunkelheit, schwüle Wärme, und eine Umgebung, die man besser unter Verschluss hält. Da will man nicht lange bleiben, und sehnt sich nach einem ebenso warmen Raum bei Kerzenlicht und gedämpfter Musik....

Geächtet von der Gesellschaft, und mit deutlichem Missfallen des Gesprächspartners quittiert, endet manch gute Unterhaltung. Taktiken zur Verhinderung seines Freiheitsdranges werden trickreich angewendet. Der plötzlich Hustenanfall hilft da ebenso, wie die absurdesten Ablenkungsmanöver. Wird er aber mehrfach zurück gedrängt, ist er beleidigt. Die wenigsten Fürze gibt es auf der Toilette. Als scheute er davor, gleich mit herunter gespült zu werden.

Obwohl es schwierig ist jemals ein Bild von ihm zu bekommen, oder ein paar Worte mit ihm zu wechseln, es gibt ihn tatsächlich. Ungeliebt, unwillkommen und geächtet wie ein Leprakranker in einer Höhle ist das Leben nur kurz vom Furz.
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch