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Titel
Hinterm Horizont
Der Text
Wir waren mit dir hinaus gefahren, du hattest alles bis ins Kleinste geplant, die Abfahrt, die Route, den Ort der Bestimmung. Du kanntest die Strecke, bist sie oft hinaus gefahren, und ich fragte mich, was kann man da schon sehen, außer einem unbegrenzten Horizont, hinter dem sich gewöhnlich die Sonne zu verstecken suchte. Du hast dich entschieden, und wir sind mit dir raus. Der Tag, an dem du den Plan hattest, muss etwas ganz besonderes an sich gehabt haben. Anders als andere vergleichbare Tage, wenn es denn diese überhaupt gibt. Vielleicht wirst du dir Gedanken gemacht haben, wo die schönste Stelle ist in diesem platten blauen übervollen Becher ohne Rand. Hier sollte es sein. Wir hielten noch ein letztes Mal dich in unseren windkalten Händen, und schauten uns um in die Richtung, aus der der Wind kam. Wir sollten dich so weit hinaus aufs Wasser werfen wie unser Blick reichte, und ja, wir hielten uns daran. Ob es schwer fiel dich mit dem in Einklang zu bringen, was wir da verstreuten, ich weiß es nicht. Du warst genau so weit weg, wie du nah warst. Dass es kein Widerspruch war lag daran, dass es diesen Horizont gab, an dem die Sonne sich setzte mit einem Wolkenaugenzwinkern, wie ich es interpretierte.

Deine Stimme sollte noch Jahre von mir in Erinnerung bleiben, selbst gegen den Wind würde ich sie wieder erkennen; den Wind, der aus Westnordwest kam, um dich mitzunehmen. Nur eines hatte ich dir nicht erfüllen wollen. "Keine Blumen" stand auf dem Papier. Ich wollte und konnte nicht anders, als dir eine von den Kletterrosenblüten mitzugeben. Sie verschwand wie der Staub. Schnell, einem fernen Ziel entgegen, während sich das Schiff mit uns in entgegengesetzter Richtung aufs Land zu bewegte.
Typ
Weisheit
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein