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Titel
Affen
Der Text
Bisher von mir nur als Schimpfwort benutzt bei zahlreichen riskanten Überholmanövern, gönnte ich mir einen Besuch im Zoo bei den Affen, denen man nachsagt, nur einen genetischen Steinwurf vom Menschen entfernt zu sein. Der Tag war regnerisch, nur wenige Leute benutzten die Wege zwischen den einzelnen Außengehegen, und suchten nach Fuchs und Luchs. Bei den Geparden fiel mir eine äußerst angespannte Atmosphäre auf. Mehrere meiner Lieblingstiere drängten sich ans Gitter, und fokussierten etwas hinter mir. Statt eines Tierpflegers mit Nahrung, festigte sich ihr Blick auf eine ältere Dame mit Zwergpudel an der Leine. Sie musste das Tier mit herein geschmuggelt haben....Schließlich geriet ich in einen stärkeren Regenschauer, und nutzte das Affenhaus als Unterstand.

Bei mir, außer dem Schirm, ein Jute Beutel mit Proviant. Obst, zwei Scheiben Käse Brot, eine kleine Flasche Wasser, und Haribo Lakritz. Ich gewöhnte mich nur langsam an die Ausdünstungen unserer ähnlichen Verwandten, und vermied kräftiges Einatmen. Anscheinend mochten auch sie kein Regenwetter, was den leeren Bereich des Freigeheges verriet. Innen aber drängte es sich zwischen den Ästen und Urwalddekorationen, frustriert saßen einige still in den Winkeln, und starrten vor sich hin. Nur wenige sahen auf, als ich als einziger den großen Raum betrat....

Ich setzte mich auf eine der Bänke, etwas entfernt vom Gitter und beobachtete den spürbaren Frust, der die Zwangsgemeinde erfasst hatte. Eine Bananenschale verfehlte mich nur knapp, ansonsten ein guter Wurf aus einer Astgabel. Ich wollte auf keinen Fall Streit, und unterdrückte den Wunsch, mich zu revanchieren. Mit den Minuten des Wartens auf irgendetwas, das irgendwie passieren musste, beschloss ich eine Art Unterhaltungsprogramm. Da ich in Asien öfters schon mit Affen in freier Wildbahn zu tun hatte, kannte ich ihre ausgesprochene Neugierde und Frechheit. So könnte es gehen....

Ich ging näher ans Gitter, hielt die Jutetasche geöffnet gegen das Deckenlicht, und begann darin zu kramen, als suchte ich nach etwas....Der mir am nächsten sitzende Affe machte einen langen Hals, blickte dann aber anscheinend desinteressiert wieder geradeaus. Keine meiner Bewegungen dürfte unbeobachtet gewesen sein, zumal ich auch noch begann mit der Haribo Tüte zu rascheln. Langsam näherte sich Affe um Affe, um das Geheimnis in meiner Tasche zu ergründen. Ich vermied es aber konsequent auch nur einen Zipfel des Inhalts zu zeigen. Schließlich hatte ich die ganze Affenbande am Gitter, wo nach Rangordnung die Gäste im Parkett auf den billigen Plätzen Platz nehmen durften, Mütter mit Kindern nach Hinten Unten, der Chef, ein kluger alter Schimpanse, der Tasche am nächsten.

Ich kramte und kramte, hob die Tasche ans Licht und tat so, als ob ich nicht das finden konnte, was ich suchte. Einige Affen wurden schon laut, und machten mir in ihrer Sprache klar, dass sie mir durchaus bei der Suche behilflich sein könnten. Auf dem Höhepunkt der Unterhaltungsshow zeigte ich auf das Schild "Füttern streng verboten!", packte meine Sachen, warf die Bananenschale demonstrativ in einen Papierkorb, und verließ das Gebäude. Hinten hob ein Zetern an, wobei sicherlich einige Schimpfworte dabei waren. Immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Ich wollte noch zu den Giraffen, bevor ich mich über die Rascheltüte mit Lakritz hermachte.
Typ
Geschichte
Autor
Burkhard Jysch
Veröffentlichung erlaubt
Nein